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2010 Jahr der Biodiversität


Vielfalt ist Reichtum

Auch der VSVP ist dabei!




Was ist Biodiversität?

„Biodiversität“ ist ein Fachausdruck für die biologische Vielfalt, der immer mehr im Naturschutz sowie in Konventionen und Gesetzen Verwendung findet.
Artenvielfalt, Reichtum an Arten, ist ein Teil der Biodiversität, darf aber nicht gleich gesetzt werden. „Biologische Vielfalt“ oder „Naturvielfalt“ sind gute Umschreibungen.

Die Biodiversität umfasst drei Bereiche

Reichtum der Arten, die weltweit vorkommen

Genetische Vielfalt, innerhalb der Arten mit Unterarten, Oekotypen, Rassen, Populationen und Individuen

Mannigfaltigkeit der Lebensräume



auch Pilze sind Teil der Biodiversität



Artenvielfalt

Nach den Insekten ist die Pilzwelt die artenreichste aller Organismengruppen. Obwohl erst ungefähr 120'000 Pilzarten beschrieben sind, wird geschätzt, dass es insgesamt zwischen 500’000 und 9 Millionen Pilzarten geben dürfte.
Mit folgenden Argumenten wird eine solche Abschätzung gemacht: Untersucht wird die Anzahl Pilze pro Wirtspflanze in gut untersuchten Regionen, leben doch von einer einzigen Wirtspflanze sehr viele Pilze, von Fichten beispielsweise über 100. Im Weiteren wird untersucht wie viele davon wirtspezifisch sind wie etwa der Goldröhrling(Suillus flavus), der nur bei von Lärchen vorkommt.
Eine grobe Abschätzung geht davon aus, dass im Schnitt eine Pflanzenart fünf Pilzarten (Gross- und Kleinpilze) aufweist, womit für die Schweiz ca 15’000 Pilzarten zu erwarten sind.

Geschätzte Zahl an Pilzarten, die in der Schweiz nachgewiesen oder begründet erwartet werden:

Lamellenpilze, Röhrlinge, Korallen, Porlinge (Hymenomycetes) 7000
Bauchpilze (Gasteromycetes) 235
Becherlinge (Discomycetes) 2700
Rost- und Brandpilze (Teliomycetes) 730
Kernpilze (Pyrenomycetes) 1200
Loculoascomycetes (201) - 1200
Konidienpilze (Deuteromycetes) 2250
Jochpilze (Zygomycetes) 290
Schleimpilze (Myxomycetes) 450



Genetische Vielfalt

Nicht nur Arten unterscheiden sich voneinander, sondern auch innerhalb einer Art gibt es grosse genetische Unterschiede.

Unterarten sind meist geografisch abgegrenzt. Beispiel: Beringter Arvenröhrling (Suillus sibiricus var. sibiricus. Suillus sibiricus var. helveticus)

Oekotypen innerhalb einer Art unterscheiden sich – genetisch festgelegt – in den Lebensraumansprüchen resp. in der Substratwahl

Beispiel: Steinpilz (Boletus edulis s..; Hut rotbraun, bei Fichte – B. edulis s.str.; Hut nebelgrau, bei Hainbuche – B. carpinaceus; Hut milchkaffeebraun, bei Birke – B. betulicolus; Stiel knollig, bei Föhre – B. edulis var. arenarius etc)

Varietäten: Unter den einheimischen Pilzarten zeigt sich am Netzstieligen Hexenröhrling (Boletus luridus) die genetische Vielfalt besonders deutlich. Mit der Bezeichnung von Varietäten wird diesem Umstand Rechnung getragen:

Hut semmelfarbig: Boletus luridus var. erythroteron,
Hut orange: B. luridus var. queletiformis
Hut gelb: B. luridus var. lupinus, B. luridus var. primulicolor
Hut blassrot: B. luridus var. lupiniformis
Hut purpurrot: B. luridus var. rubriceps



Lebensraumvielfalt

Die Vielfalt der Lebensräume auf der Erde ist enorm. Sie reicht von den tiefsten Stellen der Meere über üppige Regenwälder und Grasländer bis zu artenärmeren Hochgebirgslebensräumen. Weltweit werden 238 Grosslebensräume unterschieden. Die Lebensraumvielfalt ist ein entscheidender Teil der Biodiversität. Ohne Schutz ihrer Lebensräume lassen sich auch die Arten und Populationen nicht schützen.

Lebensräume der Schweiz
In der Schweiz ist die Vielfalt an Lebensräumen auf kleinem Raum besonders ausgeprägt. Die offizielle Einteilung (Delarze & Gonseth 2008) basiert auf 230 verschiedenen Lebensraumtypen.

1. Gewässer (24 Typen)
2. Ufer und Feuchtgebiete (20 Typen)
3. Gletscher, Fels, Schutt, Geröll (35 Typen)
4. Grünland (32 Typen)
5. Krautsäume, Hochstauden, Gebüsche (28 Typen)
6. Wälder (37 Typen)
7. Ruderalstandorte (12 Typen)
8. Pflanzungen, Äcker, Kulturen (18 Typen)
9. Bauten, Anlagen (25 Typen)

Fast in allen kommen Pilze vor!

 


Biodiversitätsleistungen

Dank den vielfältigen Wechselwirkungen zwischen der genetischen Vielfalt, dem Artenreichtum und der Vielfalt an Lebensräumen erbringt die Biodiversität unzählige Leistungen für den Haushalt der Natur aber auch für den Menschen.

Rolle der Pilze im Haushalt der Natur

Abbau von organischer Materie – pilzliche Biodiversität hält die Böden fruchtbar

alles organische Material® die Hälfte aller Pilze lebt in irgendeiner Form von totem organischem Material und durch diese Abbauprozesse werden wichtige Nährelementen (N, P, K, S, CO2 ) freigesetzt

Ernährung von Pflanzen in der Mykorrhiza-Symbiose - pilzliche Biodiversität knüpft Nahrungsnetze

Erleichterter Transport von Wasser und von wichtigen Nährstoffen vom Boden zur Pflanze über Mykorrhiza
Erleichterter Transport von Kohlenhydraten und weiterer Stoffe von Pflanze zu Pflanze

Bodenbildung - pilzliche Biodiversität bildet Böden

Erosionsverhinderung
Humusbildung

Nischenbildung durch Parasiten

pilzliche Biodiversität schafft Platz für Neues



Oekosystemleistungen von Pilzen

Versorgung

- Nahrung: Speisepilze
- Nahrungszusätze: Hefen in Brot, Bier, Wein
- Gesundheit dank Antibiotika aus Pilzen (Penicillin)

Regulierung
- Sicherheit: Bodenstabilität durch Mycelien
- Recycling: Abbau organischer Materie (Kompost)

Unterstützung
- Nahrungsmittelindustrie: Produktion von Zitronensäure
- Wasser- und Nährstoffhaushalt von Nutzpflanzen: Mykorrhizapilze

Kultur
-
Märchenwelt (Fliegenpilz)









Aktionen im Jahr der Biodiversität

Aktion: Tag der Artenvielfalt

Am Wochenende des 12./13. Juni 2010 findet europaweit der grösste Feldforschungstag statt, der GEO-Tag der Artenvielfalt. Ursprünglich begründet von der Zeitschrift GEO (http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/tag_der_artenvielfalt/). In der Schweiz organisiert das Naturama Aarau seit mehreren Jahren einen solchen Tag im Kanton Aargau.

Alle können mitmachen. Gefragt sind Experten aus allen Organismengruppen.

Bereits organisiert ist der Tag der Artenvielfalt im Kanton Aargau (Rheinfelden, http://www.naturama.ch/naturschutz/nat_tag_der_arten.cfm) und im Kanton Zürich.

Mitmachen an Aktionen Dritter

Beispiel: Die Stadt Bern bietet eine Fülle an Naturexkursionen an (www.natur-umweltkalender.ch). Wieso nicht auch eine Pilzexkursion anbieten?


Nationaler Tag des Pilzes am 18. September 2010

Pilzausstellung organisieren

Öffentliche Pilzexkursion organisieren

Schwerpunkt Pilzkunde: Exkursionen oder Ausstellungen zusammen mit anderen Organisationen

Schwerpunkt Speisepilze: Märit, Gastroecke, Beizli mit Pilzküche. Mit Thema „nachhaltige Nutzung“ verknüpfen (Mischung von Wildpilzen und Kulturpilzen klar ausweisen).